Otto Zitko

14.04. – 01.07. 2012

Seiner Hand folgend bewegt sich Otto Zitko gleitend durch den Raum. Die vier Meter lange Teleskopstange, die als Verlängerungsarm seines Körpers dient, zeichnet geduldig durch den weissen Raum und hinterlässt die lineare Spur des farbgetränkten Rollers. Neue Linien folgen den Bestehenden, bewegen sich auf eigenen Wegen und hinterlassen assoziativ zur Kirchenarchitektur geschlossene Formen. Querlinien durchbrechen den Rhythmus bestehender Strukturen. Langsam überziehen sich alle Ausstellungswände mit einem grossflächigen Liniennetz. Der sakrale Bau scheint sich allmählich zu schliessen, die vorgängig markanten Ecken und Kanten der St. Josef Kapelle beginnen zu verschwinden. Sie bieten nicht mehr den gewohnten Halt dieser Architektur. Jeder neue Strich verdichtet die Zeichnung, bis sich das Raumgefüge aufzulösen scheint und in einer Fläche resultiert. Geballte Linien definieren den Raum neu. Einer Fliege gleich, finden wir uns in der Situation wieder, durch die gezogenen Linien umgarnt zu sein. Zitkos gezeichneten Bewegungen folgend, vernehmen wir seine Referenzen zu den sakralen Symbolen, die in Form von Stuckaturen organisch den Wänden entlang zur Decke der Kapelle St. Joseph empor zu wachsen scheinen. Fasziniert von den dargestellten Figuren, Blumen, Muscheln, Ranken und Füllhörnern nimmt er diese in seine Arbeit auf und interpretiert Themen wie „die Verkündung“ oder „die Empfängnis“ mittels seiner Handschrift neu. Die bestehende architektonische Gliederung der Kapelle in Schiff, Altar und Chor als weiblichen Torso begreifend, bezeichnet der Künstler die riesige Zeichnung als seine bisher grösste Ode an den weiblichen Körper.

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